Emilio López-Menchero
Der gelernte Architekt Emilio López-Menchero verfolgt seit mehreren Jahrzehnten eine interdisziplinäre künstlerische Praxis. Malerei, Zeichnung, Performance, urbane und architektonische Interventionen, Fotografie, Comics, Video und Ton gehören zu seinen Ausdrucksmitteln. Als Absolvent der Kunsthochschule La Cambre in Brüssel, wo er seine Abschlussarbeit insbesondere Hans Hollein und der radikalen Architektur Österreichs widmete, pflegt er eine beständige Beziehung zum gebauten Raum, zur Stadt und ihren Symbolen, die sein gesamtes Schaffen durchzieht.
Im Zentrum seines Schaffens stehen die Frage nach der Identität, die Rolle des Künstlers und die Art und Weise, wie der Körper zugleich Maßstab, Sprache und Projektionsfläche wird. Sein Werk hinterfragt soziale Konstruktionen, Stereotypen und kollektive Erzählungen. Seine im Jahr 2000 begonnene Serie „Trying to Be“ ist eines der markantesten Beispiele dafür: Indem er verschiedene künstlerische, historische oder politische Figuren verkörpert, erforscht Emilio López-Menchero die Verschiebungen zwischen dem Selbst und dem Anderen, zwischen Darstellung, Erinnerung und Fiktion.
Im Jahr 2000 lud ihn Jan Hoet, Direktor des SMAK in Gent, im Rahmen der Ausstellung „Over The Edges“ ein, an einer Ecke der Stadt zu intervenieren. Er reagierte darauf, indem er seine eigenen Hände im rechten Winkel aneinanderlegte, sie vor seinem Mund öffnete und vorschlug, den „Tarzan-Schrei“ (Johnny Weissmüller) quer durch die ganze Stadt zu stoßen! Diese Klangintervention von Emilio López-Menchero, bei der der ikonische Schrei mitten im städtischen Raum ertönt, stört auf humorvolle und befremdliche Weise den gewohnten Rhythmus der Stadt. Durch diese ebenso einfache wie wirkungsvolle Geste verwandelt der Künstler die alltägliche Umgebung in einen Raum der Aufmerksamkeit, der Überraschung und der Verfremdung. Dieses Werk verdeutlicht seine Art, in die Realität einzugreifen, indem er ein kraftvolles Zeichen nutzt, das unsere Wahrnehmung der Orte verschiebt.
Ob er nun im öffentlichen Raum oder im Rahmen intimerer Installationen interveniert, seine Arbeit strebt stets danach, mit der Realität in Konflikt zu treten. Mehrere seiner städtischen Werke, wie das riesige Megafon mit dem Titel „Pasionaria“ in Brüssel oder „Checkpoint Charlie“, zeugen von seinem Interesse an politischen Fragen, Migration, Grenzen, öffentlicher Meinungsäußerung und dem Zusammenleben in der heutigen Stadt.
Inspiriert von einem neapolitanischen Ritual werden Wimpel an Masten als Träger und Zeichen dieser Aktion gestaltet. Während seines gesamten Aufenthalts werden Zeichnungen und Gemälde dem Projekt Gestalt verleihen. Er wird Forschungen zur Geschichte von Esch, seiner industriellen und politischen Vergangenheit, unter anderem im Musée de la Résistance, durchführen, um den gesamten Prozess zu bereichern und „alles“ zusammenzuführen.




